Hockenheim, was mir dazu direkt einfällt ist: Formel 1, DTM, 1000Km Motorradrennen, Dragster und verdammt weit weg von hier. Was mir ganz sicher nicht einfällt dazu ist Nascar. Genau, Nascar, das sind die fetten Dinger, die in Amiland im Kreis fahren und das sogar wortwörtlich. Im November letztes Jahr hatte ich davon gehört, das die DST einen Gaststart dieses Jahr in Hockenheim bekommt. Als mich Tom im Dezember fragte, ob ich Klassenfotograf dieses Jahr machen möchte, bekam ich dann auch konkrete Informationen dazu. Die DST ist als Gaststarter beim American Fan Fest im Rahmen der Nascar Wheelen Euro Series. Für mich persönlich war es das persönliche motorsportfotografische Highlight dieses Jahr. Dafür habe ich sogar auf den DST Termin in Norwegen im Sommer verzichtet und 3 Tage Urlaub genommen.

Eigentlich sogar 4 Tage, aber mein Fahrer konnte nicht am Mittwoch, so das wir uns erst am Donnerstagmorgen in Padborg getroffen haben und gemütlich im Tesla uns auf die Reise gemacht haben. Apropos Tesla, das war mein erster Kontakt mit einem Elektroauto. Leiden mochte ich die Autos schon lange, jetzt hat es auch zu einer ausgiebigen Testfahrt gereicht. Man kann wohl kaum stilechter als mit einem amerikanischen Wagen zum American Fan Fest fahren, oder? Etwas ungewohnt waren die Tankstopps, zumal es 4 Stück waren. Ich selbst hätte vermutlich gar keinen mit meinem Wagen gemacht und wäre durch geknallt. Aber, ich muss ehrlich eingestehen, zwei kurze Stopps von 20 Minuten und zwei längere von gut einer Stunde, ließen sich mit Kaffeepausen und Rastpausen gut verbinden, so das es eigentlich nicht so doll störte. Ich habe das jedenfalls für tauglich empfunden, erst recht, da wir ziemlich entspannt hin und her gekommen sind. Ansonsten kann ich nur feststellen, das ein Tesla taugt. Man gewöhnt sich da schnell dran und es ist unglaublich leise im Auto. Selbst bei 150 km/h, was maximal mit Autopilot geht, sind die Wind und Reifengeräusche nicht wirklich störend. Und für ein 2,5 Tonnen Fahrzeug ist der erstaunlich agil und handlich, deutlich direkter zu fahren als mein Volvo XC. Und was ich nicht wusste, an den Tesla Superchargern ist das Laden kostenlos.

Am Donnerstag sind wir kurz vor 17 Uhr am Ring angekommen. Ab 17 Uhr durften wir und die Teams die schon da waren, dann ins Fahrerlager bzw. in die Boxen einziehen. Bis dahin hatten wir auf dem Vorplatz Spaß und uns begrüßt. Irgendwie ließ irgendwer vom Team Jørgen Hansen Biler die Bemerkung fallen, das der LKW vor die Box soll und das das mal Jemand eben machen soll, da Tom unterwegs war irgendwas zu regeln und irgendwer stolperte drüber, das ich früher LKW Fahrer war… 3 Sekunden später stand ich allein mit dem Motorhome da… Toll, ich hatte über 8 Jahre keinen LKW mehr gefahren… Nützt ja nix und gelernt ist gelernt dachte ich mir, was soll ich sagen – ich kanns noch. War mal wieder schön etwas LKW zu fahren, auch wenn mir etwas mulmig war in dem recht gut gefüllten Fahrerlager damit zu rangieren, ohne den Laster zu kennen. Dann stand noch Motorhome ausladen und Boxen beziehen auf dem Programm, außerdem musste ich mein mobiles Büro in der Box noch klarmachen und mein Bett im fast leeren Motorhome aufbauen, danach war das Feierabendbierchen mit vielen netten Rennverrückten angesagt.

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Freitagmorgen ging es pünktlich um 8.30 Uhr in das Pressezentrum, um meine Akkredierung in eine Presseweste umzuwandeln und mir Infomaterial über die Anlage zu beschaffen. Ich war im Jahr 2010 das letzte Mal hier, aber sich in einer Anlage wie dem Hockenheim zurechtzufinden, ist schon eine kleine Herausforderung. Klasse war, das direkt der Sebastian auf mich zukam und sich als Shuttlefahrer vorstellte… Shutwaaaaas? Presseshuttle… Das kannte ich nun gar nicht und hab auch noch nie davon gehört und wusste nicht so recht, was der Mann von mir wollte. Aber, man lernt ja schnell, ein Presseshuttle fährt Fotografen an so ziemlich jeden Ort an der Rennstrecke, den man sich wünscht, ohne genervt zig Kilometer mit schwerer Ausrüstung zu maschieren. Am Freitag war ein Shuttle dort, am Samstag und Sonntag dann zwei. Einfach nur geil und die Jungs, die uns fuhren, kennen den Ring ja logischerweise in und auswendig und haben mir wirklich sehr viele wertvolle Tipps zu Sonne und Fotopunkte gegeben, auch das wieder abholen nach den Trainings und sogar das Umsetzen nach 2 bis 3 Rennrunden war nach vorheriger Absprache perfekt organisiert und hat super funktioniert . Ganz großes Kino und megatop Service. Auch die Möglichkeit einen Platz im Pressezentrum zu belegen mit unzähligen Monitoren und Stromanschlüssen, sowie Anschlüsse zum Mobilgeräte laden ist schon gewaltig. Jedenfalls wenn man wie ich, nur an den vergleichsweise kleinen Strecken in Dänemark, unterwegs ist.

Vor dem ersten Training, was am Freitagmittag gefahren wurde, habe ich mich auf den Weg gemacht, die Anlage zu erkunden und mir ein paar Fotopunkte zu suchen und zu schauen, was ich an Equipment mit haben muss und welche weiteren Möglichkeiten in der Nähe sind, um, wenn möglich, ein oder zwei weitere Perspektiven zu bekommen. Bei den kurzen 15 Minuten Rennen wollte ich auch keine wertvolle Zeit verschenken. Dabei habe ich noch mit vielen Freiwilligen rund um die Strecke gesprochen, die dort zur Streckensicherheit als Flaggenposten oder als Rettung und Bergungsvolk sind. Auch dabei ist mir wieder aufgefallen, wie freundlich und hilfsbereit die Jungs und Mädels dort sind. Im Gegenzug habe ich dann oft berichtet, wer und was die DST ist und was das für Fahrzeuge sind, denn die Mitjets waren bei den meisten völlig unbekannt. Auch das Strecke queren wurde ermöglicht in Absprache mit der Racecontroll via Funk, alles unkompliziert und wie selbstverständlich. Zusammengefasst kann ich berichten, das die Anlage, sowie die Hilfsbereitschaft uns Fremden gegenüber, schon wirklich Top ist.

Der krasse Gegensatz dazu, sind einige und dabei betone ich EINIGE sehr, Fotografen. Mal ein freundliches Wort ist anscheinend zu viel verlangt. Ein Tipp oder Gespräch in den kurzen und fahrfreien Pausen kaum möglich. Außer den bösen Blick von Jemanden, der Angst hat, ich könnte ihm einen Kunden wegschnappen oder ein Bild an seine Kunden verkaufen, kam da nichts. Später verriet mir dann ein anderer Fotograf, das das leider so üblich sei bei einigen, die davon Leben müssen. Mit zwei, drei anderen Fotografen, die das auch “nur” als Nebengewerbe oder als besseres Hobby betreiben wie ich, habe ich mich dann noch länger unterhalten können, war sehr nett. Liebe Berufsfotografen und Heimlichtuer, kauft euch mal etwas Baldrian und Entspannungsmedizin, man sieht sich immer zweimal – und ich bin nachtragend. Geht gar nicht sowas, das ist in Dänemark nicht einmal denkbar, sich so gegenüber Kollegen zu verhalten.

Die beiden Trainings am Freitag verliefen ohne große Zwischenfälle. Ausritte und Ausrutscher sind hier auch völlig unwichtig, da es so ziemlich überall ausreichend Platz und an den meisten Stellen ausreichend Asphaltfläche vor den Kiesbetten gibt. Beide Trainings haben Ole Petersen und Mikkel Mac, der als Gaststarter unterwegs war, als Einzigste unter 1.31 beenden können. Die französische Mitjet Series war auch dort, die sind knapp eine Sekunde langsamer gefahren und das, obwohl die weder Beifahrersitz noch Zusatzgewicht hatten, um sich den Turbos anzupassen und auch kein Restriktor im Motor, so das die volle 330 PS leisten konnten und nicht auf 300PS begrenzt sind. Die Franzosen haben eine 3,5L Klasse und eine 2L Klasse, die 2L Klasse sind Light Fahrzeuge, die kaum Einstellmöglichkeiten haben und “nur” über ein 2L Sauger mit 230 PS verfügen. Die Nascar Wheelen Serie ist vermutlich gegenüber dem amerikanischen Vorbild sehr stark beschnitten worden. Die waren ca. 1,5 Sekunden langsamer als die Supertourisme. Auf den Geraden war die Beschleunigung recht gut, aber die Kurvengeschwindigkeit fand ich recht lahm. Irgendwann stand ich an der Strecke und habe mir die Nascar Fahrzeuge beguckt, als einer kurz qietschte und dann einer wie in Zeitlupe durchs Kiesbett in den Reifenstapel flog. Hmmmm, ich hatte zwar Kameras bei mir, hatte aber im Leben nicht damit gerechnet, das die bei so niedrigen Cornerspeed schon abgehen.

Qualifikation: Samstag Mittag

Ich hab keinen blassen Dunst, was die Roskilde Racing Leute dem Mac ins Glas getan haben, der hat mal ne völlig unspektakuläre Runde mit einer Fabelzeit von 1,29.560 rausgedrückt. Da konnten Martin Andersen und Ole Petersen mit niedrigen 1,30 nur neidisch hinterher gucken. Okay, Mikkel Mac ist bei Ferrari angestellter Rennfahrer und fährt in irgend einem GT Langstreckencup im Ferrari Weltmeisterteam beruflich. Darum hat er auch trotz seines jungen Alters schon reichlich Rennerfahrung und das merkte man auch sehr deutlich. Frederik, Michelle, Casper, Kevin Verner und Jonas sind die Top 8, wobei Jonas es als Einzigster nicht unter die 1,31 schaffte. Hätte mich vorher einer gefragt oder hätte ich wetten sollen, hätte ich auf Michelle und Casper gesetzt. Beide sind hier schon früher Rennen gefahren. Das Qualifying beendete der junge Noah Watt, der seinen Renner in der Sachskurve im Kiesbett parkte, wo deswegen erst kurz doppelt Gelb und dann Rot kam. Da nach der Bergung nur noch 1:30 übrig waren, wurde die Strecke auch nicht mehr freigegeben.

Rennen 1: Samstag Abend

Im ersten Rennen habe ich mich im Bereich der Ravenol Kurve aufgehalten, das ist die erste Kurve nach dem Start. Hier habe ich versucht, das Rennen so zu fotografieren, das auch das stadionartige Design und die vielen Tribünenplätze mit rüberkommen. Der Hockenheimring hat soweit ich weiß um die 100000 Plätze, irre groß das Ganze. Ich hab mir versucht vorzustellen, was das für eine Atmosphäre sein muss, wenn die Plätze alle ausgebucht sind, wie bei der Formel 1… Wenn die F1 irgendwann mal wieder attraktiv wird… Das erste Rennen lief eigentlich völlig unspektakulär ab aus meiner Sicht. Jonas wurde von Kevin ausbeschleunigt und Kevin bog als Erster in die Kurve ein, leicht quer kommend, da Casper etwas am Drücken war. Jonas ist ganz innen noch über die hohe Streckenbegrenzung geholpert und musste Michelle auch noch ziehen lassen, wurde dann mit seinem unruhigen Auto von Ole und Mikkel bis Kurve 2 ausbeschleunigt. Das war leider auch schon alles an Action, was ich zu sehen bekam. Mikkel Mac gewann mit 0,3 Sekunden Vorsprung vor Casper und 1,8 vor Ole. Frederik kam auf einem guten vierten Platz in das Ziel. scheint endlich nach viel Pech wieder zu laufen. Nur mal so zum Vergleich, die Top 3 hatten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 144 Km/h. Die top Fahrer der Nascar schafften 139 Km/h… Und die französischen Mitjet 143 Km/h. Die NASCAR haben wohl um die 450 PS, mehr habe ich kaum rausbekommen, die Teams halten sich da sehr bedeckt.

Rennen 2: Sonntag Morgen

Da ich auch gerne Rennaction fotografieren wollte, habe ich diverse Fahrer befragt, wo eigentlich überholt wird. Das meiste Überholen passiert anscheinend im Bereich der Kurve 2 (Bernie Ecelstone Kurve), beim Anbremsen auf die Kehre und vor der Mercedes Tribüne. Ich habe mich dann zum Start so positioniert, das ich Kurve 2 und 3 einfangen konnte. Mit den netten Jungs vom Shuttleservice habe ich ausgemacht, das die mich nach 3 Runden von dort fix zur Mercedes Tribüne bringen und das klappte auch super perfekt. In der ersten Runde kam Kevin Verner zuerst um die Ecke, dicht gefolgt von Martin und Jonas, dann habe ich den Überblick durch den Sucher verloren… Ein stark qualmendes Auto war noch dazwischen, was alle Streckenposten auch über Funk weiter meldeten. Ganz weit hinterher kam dann ein ein stinkwütender Ole, der sich in Kurve 1 hat etwas raustragen lassen und über die Curvs kam und einen Dreher produzierte wegen Gripmangel. In Runde 2 war Martin dann vor Kevin, dann irgendwann sah ich, das 2 Autos rausrutschten und kurz hinter der Streckenbegrenzung liegenblieben. Als die nach gefühlt 30 Sekunden nicht wegkamen gab es das Safetycar, welches noch 2 mal vorbeikam und dann wurde abgebrochen, da die Fahrzeuge an einer gefährlichen Stelle standen. Als das Safetycar als Führender um die Ecke kam, bin ich in den Shuttle und hab mich zur Mercedes Tribüne bringen lassen, nur keine wertvolle Zeit verlieren. Dem Feld hinterher eilte Frederik, also war er derjenige, der in Runde 1 stark qualmte, sollte aber noch viel schlimmer kommen… Der Unfall wurde von Kristian ausgelöst, der mit Lasse kollidierte und dann in Luise drückte, so das Lasse und Luise diejenigen waren, die dort in Runde 2 endeten, wohlgemerkt alle drei fahren im Nymark Team… Unglaublich. Nach Runde 4 wurde das Rennen dann hinter dem Safetycar beendet. Frederik sein Auto rauchte, weil er mit Mac aneinander geraten war. Wer schuld hat, weiß ich nicht, da Beide wohl eine gegensätzliche Meinung dazu hatten. Wenn man unten vor der Mercedes Tribüne steht – das Ding ist einfach nur geil und megariesig und die Aussicht von dort oben der Hammer.

Rennen 3: Sonntag Mittag

Beim letzten Rennen der Supertourisme an diesem Wochenende habe ich mich aussen am Eingang des Motodroms platziert, um ein paar Heckaufnahmen zu machen, wenn die auf dem Weg zur Sachskurve sind. In dem Bereich, der sehr schnell gefahren wird, ist zwar kaum ein Überholvorgang zu sehen, aber der Hintergrund mit den Tribünen und dem Mercedeshaus hat schon was, ich bin dann alle 2 Runden einen Flaggenposten weiter Richtung Südkurve gelaufen. Das Rennen war ähnlich wie das Erste, ganz in Ruhe ohne großen Trouble wurde das Rennen gefahren. Mac, der anfangs wie der sichere Sieger aussah, musste in der vierten Runde wegen einer defekten Antriebswelle aufgeben, Ole wurde immer schneller und schaffte es, seine Teamkollegen Casper und Michelle zu überholen. Als er Michelle überholte, hörte ich reichlich Applaus von der großen Tribüne in der Südkurve, schön zu wissen das die Supertourisme den heimischen Fans auch gefallen hat. An Martin kam Ole jedoch nicht mehr ran. So wurde er verdienter Zweiter vor der dritten Michelle und Casper, der zwar vierter wurde, aber in seiner AM Klasse Erster. Frederik wurde fünfter und konnte auch wieder lachen, Kristian und Luise kamen als elfter und zwölfte in das Ziel. Ein schöner Abschluss und zwei tolle Rennen gab es zu sehen. Jonas wurde als noch amtierender Legend Car Meister still und leise Gesamtsiebter und beweist einmal mehr, das er alles andere als langsam ist.

Drumherum:

Im Rahmen des american Fanfest gab es noch jede Menge auf dem Gelände zu entdecken, von einer Motorrad Stuntshow bis zu einer Ausstellung von diversen schicken amerikanischen Fahrzeugen aus fast allen Epochen der mobilen Zeit. Diverse Superhelden wie Spiderman, Ironman, Captain Amerika und massig Starwars Krieger. Ich kann mich nicht dran erinnern, das Darth Vader eine Dame hatte, muss ja Darth Vaderin sein, also Luke seine Mutter. Lecker Gridgirls und die lustigen Chearleader. Los war immer und überall etwas, eine rundum tolle Veranstaltung. Ich würde mich freuen, wenn die Supertourisme da irgendwann einmal wieder an den Start geht und ich als Klassenfotograf daran teilhaben darf. Für mich war das Wochenende als Hobbyfotograf, Teamfotograf für 4 Teams, Klassenfotograf und Motorsportfan das Highlight des Jahres. Auf Grund der im Mai eingefahren DSGVO in Deutschland verzichte ich darauf viele Bilder zu zeigen, wo Ausstellungsfahrzeuge Nummernschilder haben oder fremde Menschen zu erkennen sind. Ebenso verzichte ich auf fast alle Bilder von Superhelden, da die ständig von Kindern und Erwachsenen umringt waren für Fotos. Tut mir wirklich sehr leid, aber da gehe ich lieber auf Nummer sicher.

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